Die Serviette

Serviette (Tellertuch – Mundtuch) ist vom französischem servir ( dienen, auftragen, servieren) abgeleitet, bedeutet also etwa ein Gegenstand der beim servieren benötigt wird.

Tischserviette 1500 Jh
Bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts, war es üblich, sich das Tafeltuch über die Knie zu legen, und ehe man in die Schüssel langte, sich jedes Mal die Hände am Tischtuch abzuwischen, das dann in vornehmer Gesellschaft bei längeren Tafeln mehrmals gewechselt wurde.
Erst nach 1450 kamen besondere Tücher auf, mit denen man sich die Hände abwischte, was anfangs die Hauptfunktion der Mundtücher oder Servietten war.
Am Schluss des Mahles, wurde Ludwig XIV, den Prinzen und Prinzessinnen eine feuchte Serviette für die Säuberung der Hände gereicht, anderen Tischgästen nicht !
1790 hat ein einfacher Franzose seine Serviette, ebenso wie seine Gabel, ein Franzose ißt nicht ohne Tischtuch, in England tun das sogar bessere Leute ( nach J.W.Archenholtz 1787 wäre die Serviette in England um 1750 eingeführt worden ).
Die Serviette wurde auch sehr bald schon zum zudecken der Speisen vor Beginn des Mahles benutzt, woher sich die Bezeichnung „ Couvert „ für Mahl beschreibt.

Erst wenn die Tischgesellschaft Platz genommen hatte, wurden die Servietten von den Schüsseln abgenommen ,nur gewöhnliche Leute aßen „Decouvert“ ,d.h. ohne die Speisen vorher zu verdecken.
Aus: Tafelwesen und Servierkunde, Fritz Wagner 1935:
Das Falten oder Brechen von Servietten gehört zu den überlieferten Tafelsitten, die schon längst zum Absterben verurteilt, immer noch irgendwie ihre Existenz fristen.

Sei es, dass ein mit der Entwicklung der modernen Tafelkultur nicht mitgegangenen Publikums noch Gefallen daran findet, sei es, dass eine an sonstiger Ausstattung etwas ärmliche Tafel damit einen festlicheren Anstrich erhalten soll.

aus: Der Gastronom, Hermann Brendel ca. 1900
